Technische Hilfeleistung

Hochbau

Hochbauunfälle



Grundsätzliche Arten von Hochbaustellen

Zwar sind die Unfälle im Bereich von Hochbaustellen sind in den letzten Jahren immer geringer geworden und schienen uns nur bei Naturkatastrophen zu berühren aber seit dem 11. September 2001 ist wohl allen klar, das gerade terror Anschläge verherende Auswirkungen haben können.

Im "normalen Alltag" sind jedoch Hochbauunfälle seltener geworden.  Dies ist im Allgemeinen auf die Einhaltung der strengen Vorschriften der Berufsgenossenschaften zurückzuführen sowie auf eine Verwendung von besserem technischen Gerät. Ziel dieses Unterrichtes soll es sein, über Hochbaustellen einen kurzen Überblick zu geben. Abschließend werden wir im Ausrückebereich mehrere Hochbaustellen besichtigen. Folgende Hochbaustellen die in unserem Ausrückebereich liegen, werden wir besichtigen (hier sind die Hochbaustellen einzutragen und den Teilnehmern zu erklären):

Die Einteilung der Hochbaustellen kann auf unterschiedlichste Art erfolgen. Eine Möglichkeit ist die Einteilung in drei Grundkategorien, die aufgrund ihrer Besonderheiten eine Trennung sinnvoll machen:

Kräne

Auf allen gängigen Hochbaustellen werden zum Transport von Lasten und Baumaterial Turmdrehkräne verwendet (Bei-spiele von Turmdrehkränen können mit der Folienvorlage 3 gezeigt werden). Hierbei kommen zwei prinzipiell unter-schiedliche Typen von Kränen zum Einsatz:

Turmdrehkräne mit Kabine

Dieser Typ von Kran ist auf größeren Baustellen zu finden und stellt aufgrund des Kranfahrers in der Kabine sowie der Möglichkeit ihn ohne Probleme zu besteigen für die Feuerwehr den häufigsten Anwendungsfall dar. So können hier Maßnahmen zur Menschenrettung notwendig werden (z. B. verletzter Kranfahrer) oder die Betreuung von Selbstmördern eine mögliche Einsatzart darstellen.

Turmdrehkräne mit Fernbedienung

Diese Art von Kran ist eher auf kleineren Baustellen zu fin-den und spielt im Einsatzbereich der Feuerwehr eher eine untergeordnete Rolle. Die Steuerung des Kranes erfolgt von einer Fernbedienung vom Boden aus. Die Kräne errei-chen auch nicht die Höhe von den großen Turmdrehkrä-nen (Höhe im Regelfall von 15 bis 25 Meter) Unfälle in diesem Bereich sind häufig Überladungen mit der Gefahr des Umfallens.

Gerüste

Gerüste kommen in der unterschiedlichsten Ausführung vor. Fassadensanierung, Hochbaustellen, Altbausanierung, Denk-malschutz und vieles mehr sind die häufigsten Anwendungsfälle.

Probleme bei der Menschenrettung

Bei der Menschenrettung treten im Bereich von Hochbauunfällen folgende Probleme auf, die in die Einsatzplanug mit einbezogen werden:

Taktische Regeln für den Einsatz bei HochbauunfäIIen (Gebäudeeinsturz)

Systematik der Schadenselemente und Rettungsmöglichkeiten

Das Schadenselement Rutschfläche



Die Rutschfläche ist ein großflächiges Trümmerteil (Stahlbeton- oder Holzbalkendecke) welches in überwiegend total zerstörten Gebäuden anzutreffen ist. Verschüttete befinden sich überwiegend:

Am Fuß der Rutschfläche, im oberen Bereich der Rutschfläche, im Bereich der Randtrümmer oder unter der Rutschfläche.

Einsatzgrundsätze:
  • Rutschfläche nicht bewegen oder zusätzlich belasten.
  • Rutschfläche durch Abstützung sichern.
  • Rutschfläche insgesamt anheben (Winden. Hydraulikheber. Kran)
  • Rutschfläche nicht von der Schadensstelle schleifen.
  • Vorgehensweise bei der Suche nach Verletzten:
    • Von der Seite unter die Rutschfläche vordringen.
    • Wenn keine Verletzten vorhanden: Rutsch-fläche über die untere Kante abkippen.

Das Schadenselement Schichtung



Schichtungen entstehen. wenn mehrere großflächige Decken-, Wand- oder Dachteile horizontal bis vertikal übereinanderliegen. Zwischen den Schichtungen können sich an-dere Trümmerteile oder Einrichtungsgegen-stände befinden.
Schichtungen können wie Rutschflachen behandelt werden.

Verschüttete befinden sich überwiegend:
Am Fuß der Schichtung (bei geneigter Sch.>.im Bereich der Randtrümmer, unter den Schichtungen oder unter der tiefsten Schicht.

Einsatzgrundsätze:
  • Eindringen möglichst parallel zur Schichtung. Vorhandene Hohlräume ausnutzen. Trümmerschutt und Einrichtungsgegenstände zwischen den einzelnen Schichtungen nur dann entfernen, wenn es zur Rettung der Verschütteten erforderlich ist.
  • Werden Schichten bewegt: Abstützungs- u. Aufhängungspunkte sichern - Beachtung der möglichen Lageverschiebung durch Lastveränderung.

Das Schadenselement ausgegossener Raum



Das Füllmaterial besteht aus:

Kleinbrockigen Trümmerteilen (z.B.: Mauer-werksteilen).
Ausgegossene Räume werden vorwiegend in den unteren Geschoßen angetroffen.

Einsatzgrundsätze:

Lage der Verschütteten durch sorgfältiges Orten feststellen.
Trümmer möglichst nicht belasten oder bewegen. Von oben oder mit Hilfe von Wanddurch-brüchen in den Raum eindringen. Vorhandene Hohlräume beim Vordringen in die Trümmer ausnutzen.

Das Schadenselement eingeschlämmter Raum



Das Füllmaterial besteht aus:

Kleinbrockigen Trümmerteilen (z.B.: Mauerwerksteilen), in Verbindung mit Schlamm und Wasser.

Eingeschlämmte Räume werden vorwiegend in den unteren Geschoßen angetroffen.

Trümmer möglichst nicht belasten oder bewegen. Von oben oder mit Hilfe von Wanddurchbrüchen in den Raum eindringen. Vorhandene Hohlräume beim Vordringen in die Trümmer ausnutzen.

Einsatzgrundsätze:
  • Lage der Verschütteten durch sorgfältiges Orten feststellen.
  • Versorgsungsleitung abstellen (Gas, Wasser. Fernwärme. Strom).

Das Schadenseiement mit Schichtung ausgepreßter, Raum



Das Füllmaterial besteht aus:

Großflächigen Trümmerteilen (z.B.: Decken, Betonwänden).
Mit Schichtungen ausgepreßte Räume werden vorwiegend in den unteren Geschoßen angetroffen.

Einsatzgrundsätze:

Schichtungen stützen sich gegen eine oder mehrere Wände, diese dürfen möglichst nicht durchbrochen werden. Durchbrüche nur quer zur Schichtung.
Kippkanten nach Personen absuchen. Möglichkeiten des An- und Heraushebens der Schichten beurteilen.

Das Schadenselement halber Raum



Durch zu große Belastung eingestürzte Decke, die den Raum teilt.
In halben Räumen sind häufig eingeschlossene Personen aufzufinden.
Halbe Räume werden vorwiegend in den unteren Geschoßen angetroffen.

Einsatzgrundsätze:

Mauerdurchbrüche nicht durch die Abstützmauer. sondern durch eine der dreieckigen den Raum abschließenden Wände. Stützwand gegen ausknicken sichern. Schrägstehende Deckenplatten sichern, Durchbruchgefahr.

Das Schadenselernent angeschlagener Raum



Trümmer befinden sich vollständig oder teilweise in angeschlagenen Räumen.
In den angeschlagenen Räumen sind häufig eingeschlossene Personen aufzufinden.

Eindringen mit Hilfe von Wand- und Deckendurchbrüchen von weniger zerstörten Bereichen aus.

Einsatzgrundsätze:

Eindringen in angeschlagene Räume möglichst über die vorhandenen und noch intakten Zugänge.

Vorgehen über Trümmer oder Brechkanten vermeiden.

Das Schadenselement nur versperrter Raum



Im wesentlichen unbeschädigte Räume. Deren Zugänge jedoch versperrt sind.
Sie können in jedem Geschoß auftreten.

Einsatzgrundsätze:
  • Für schnelle Luftzufuhr sorgen. Beschädigte Versorgungsleitungen, die in den Raum führen, unterbrechen bzw. abdichten (Gas. Wasser).
  • Kontakt mit den eingeschlossenen Personen aufnehmen.
  • Versperrte Zugänge freilegen.
  • Mauer- und Deckendurchbrüche planen und durchführen.
    Versorgung der Eingeschlossenen mit Medikamenten, Verbandmaterial. Licht und Verpflegung sicherstellen.

Das Schadenselement Schwalbennest



Bei dem Schadenbild Schwalbennest handelt es sich um auskragende Deckenplatten.

Einsatzgrundsätze:

Absuchen und Retten über Drehleitern oder wenn nicht einsetzbar über tragbare Leitern. Wegen der Gefahr des Nachbrechens mit tragbaren Leitern an standfesten Stellen anleitern oder Drehleiter im Freistand verwenden.

Die Schadenselemente Randtrümmer "A" und "B"



Randtrümmer sind Trümmerteile eines Gebäudes die sich außerhalb der Umfassungswände ausgebreitet haben.

Sie müssen nicht in unmittelbarer Verbindung mit dem Gebäude stehen. Verschüttete können aus dem Gebäude herausgeschleudert sein oder von den herabstürzenden Trümmer erfaßt worden sein.

Einsatzgrundsätze:

Trümmer nach Verschütteten absuchen und möglichst erst dann betreten. Nicht mit Greifern arbeiten.

Sorgfältig absuchen ehe weiterer Schutt nachrutscht.

Das Schadenselement Trümmerkegel



Der Trümmerkegel oder Trümmerhang besteht aus:
Kleinbrockigen Trümmerteilen (z.B. Mauerwerksteilen), großflächigen Trümmerteilen (z.B. Decken, Betonwänden) sowie Einrichtungsgegenständen bzw. Mobilar.

Einsatzgrundsätze:
  • Jede Bewegung der Massen verhindern.
  • Trümmer nach Verschütteten absuchen und möglichst erst dann betreten.
  • Unter Ausnutzung sperriger Teile zu den Verschütteten vordringen.
  • Sorgfältig absuchen, nachrutscht.

Rettungstaktik bei Hochbauunfällen



Sicherung der Einsatzstelle durch:

Abstellen der Versorgungseinrichtungen z.B.: Gas. Elektrizität. Wasser.

Abstützung und Aussteifungen z.B. waagerecht, senkrecht, schräg.

Möglichkeiten:

Belastbarkeit beachten. Bemessung. Rückzugswege offenhalten, bei Einsturzgefahr Sicherungsposten.

Suchen und Orten eingeschlossener, verschütteter und eingeklemmter Personen.

Lebensrettende Maßnahmen und notfallmedizinische Versorgung sicherstellen.

Menschenrettung in taktischer Reihenfolge:

Eingeklemmte Personen: Versorgen, entlasten, befreien.

Eingeschlossene Personen:  Zugang verschaffen, versorgen, befreien.

Verschüttete Personen: Freilegen, versorgen, befreien.

Nachsicherungsarbeiten gegen Einsturzgefahr.

Hilfsmittel

Zur Rettung bei Hochbauunfällen stehen der Feuerwehr folgende Hilfsmittel zur Verfügung:

Einsatzbefehl

Bei derartigen Einsätzen kommt aufgrund der Seltenheit und des geringen Platzbedarfes dem Einsatzbefehl besondere Bedeutung zu. Aus diesem Grund erfolgt nochmals eine kurze Wiederholung des schulmäßigen Befehls:

Verwendung der Trupps:

Bestandteile des Befehls:
Musterbefehl:

Folgender Musterbefehl soll uns an einem Einsatzabeispiel die Aufgabenverteilung verdeutlichen:

Lage: Person in Hochbaustelle abgestürzt. Angriffstrupp mit Sanitätskasten und Decke zur Personenrettung dringen in den fünften Stock zum Verunglückten vor. Wassertrupp sichert den Angriffstrupp beim Vorgehen mit Fangleine. Schlauchtrupp bringt Marinetrage zum Verunglückten vor. Melder erkundet einen möglichen Rettungsweg.




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